Osterpredigt 2020

jesus-3279901_by_jeffjacobs1990_cc0-gemeinfrei_pixabay_pfarrbriefservice <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Bruno&nbsp;Ammann)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-buerglen.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>184</div><div class='bid' style='display:none;'>1209</div><div class='usr' style='display:none;'>30</div>

Liebe Gemeinde,
eigentlich war die Sache erledigt. Lange hatte Jesus von Nazareth gepredigt, geheilt und Wunder getan, viele Anhänger gewonnen und viele begeistert. Doch am Ende war der Widerstand seiner Gegner stärker. Er musste sich der jüdischen Obrigkeit und der Staatsgewalt beugen, wurde festgenommen und verurteilt. Und so starb er schliesslich, wie Unruhestifter, die das Volk aufmischen, damals eben starben: am Kreuz.

Einer hatte den toten Jesus dann schliesslich in sein Höhlengrab gelegt und einen schweren Felsen davor geschoben. Am Karsamstag hatte Pontius Pilatus noch Wachen davor gestellt, damit niemand kommt und mit dem Leichnam Unfug treibt. Aber dann war’s das.
Auch von Jesu Anhängern war keiner mehr zu sehen. Vor Kurzem hatten sie noch regelrecht an seinen Lippen geklebt, bewundert, was er tat, fest an ihn geglaubt, alles verlassen für ihn und ihr Leben komplett umgekrempelt. Doch mit seinem Tod war ihr Lebenstraum auf einmal geplatzt wie eine Seifenblase. Ende des Kapitels Jesus von Nazareth, und zwar für immer.

Doch dann kommt alles anders. Als am dritten Tag nach seinem Tod zwei Frauen zum Grab kommen, spielen sich dort auf einmal unglaubliche Szenen ab. Plötzlich fängt die Erde an zu beben, aus dem Himmel kommt ein schneeweiss strahlender Engel herab, wälzt den Grabesfelsen beiseite, die Wächter fallen vor Schreck in Ohnmacht. Eine Riesenszene wie im Film. Grosses Kino! Die Blicke der Frauen richten sich sofort in das geöffnete Grab, und sie sehen - nichts. Jesus ist nicht mehr da.
Dann spricht der Engel zu ihnen, und seine Nachricht hallt an den Felswänden wieder: „Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ Und tatsächlich! Wenig später begegnen die Frauen ihm leibhaftig. Unglaublich, aber wahr!

Liebe Gemeinde,
die Szene mit dem gewaltigen Erdbeben und dem umwerfenden Engelauftritt deutet es schon an: Mit der Auferstehung Jesu von den Toten rüttelt Gott kräftig an unseren menschlichen Vorstellungen. Wer glaubt, Gott liesse sich in die Grenzen dessen einsperren, was wir für möglich halten, erlebt hier, wie er diese Grenzen sprengt. Wer glaubt, mit Gewalt, Kreuz und Felsengrab lasse Gott sich einen Riegel vorschieben, der muss hier erleben, wie er diesen Riegel mit umso grösserer Macht zurückschiebt. Sein Engel, der den Stein weg wälzt und sich anschliessend darauf setzt, zeigt, wer hier der Stärkere ist.

Und so heisst die Botschaft der Geschichte: Wir Menschen müssen und dürfen mit Gott rechnen und damit, dass er das Unmögliche möglich macht. Die Frauen, die Zeuginnen des auferstandenen Jesus, ziehen die richtige Konsequenz daraus und bleiben nicht mit ihrem Blick am leeren Grab und am Felsen haften.
Sie denken nicht: Gibt’s nicht! Alles nur Einbildung! Böses Spiel! Sie fangen an, die Gegend abzusuchen, ob irgendeiner den toten Jesus vielleicht woanders hingelegt hat. Nein, sie glauben der Botschaft des Engels und kehren um. Sie lassen sich von Gott aufrütteln und überraschen, weil sie glauben, dass er mehr kann als sie ermessen können.

Und genau das ist es, was sich Gott für uns heute auch wünscht. So oft bleiben wir mit unserem Blick an dem haften, was wir für möglich halten. Wie schade! Besonders dann, wenn Menschen es für unmöglich halten, dass sich in ihrem Leben etwas verändert, weil sie kein Licht mehr am Horizont sehen und denken: Es geht nichts mehr. Genau dem nämlich widerspricht der Engel mit seiner Osterbotschaft: Christus ist auferstanden.

Wir sind nur Menschen, unsere Vorstellungskraft ist begrenzt. So sind wir, und so sind wir geschaffen. Doch es gibt mehr als das. Gott kann mit seinen Möglichkeiten noch viel ausrichten und dem Schicksal Wendungen geben, die wir nicht ermessen können. – Und zum Glück gibt es auch immer wieder Menschen, die daran glauben, Hoffnung und Mut aus diesem Glauben schöpfen, gerade in diesen schwierigen Zeiten, die wir jetzt alle erleben.

Liebe Gemeinde,
wo auch immer wir mit unserer Hoffnung an Grenzen stossen und feststecken: Wir brauchen den Glauben an das Unmögliche, damit das Mögliche werden kann. Wir brauchen den utopischen Vorgriff auf das, was unsere Vorstellungen übersteigt, den Glauben an das „Noch nicht“. Nur so ist Hoffnung und Veränderung möglich.

Tun auch wir, was die Frauen an Jesu Grab tun: Wenden wir unseren Blick von dem, was wir für möglich halten, hin zu dem, womit wir dennoch rechnen. Weiten wir unseren Horizont, weiten wir unseren Blick und unsere verengte Brust, atmen Hoffnung und Mut, weil wir spüren: Da ist noch mehr ausserhalb von uns. Gott kann noch ganz anders. Leben wir offen für das, was er bringt, womit er in unseren Alltag eingreift und unsere Vorstellungen korrigiert.

Liebe Gemeinde,
in der Ostergeschichte sagt der auferstandene Jesus zu den Frauen: „Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.“

Heute geht diese Aufforderung Jesu an uns. Fürchten auch wir uns nicht, auf die Nachricht von der Auferstehung Jesu loszulaufen, auf ihre Kraft zu vertrauen und unser Leben danach auszurichten.
Fürchten wir uns auch nicht vor der Zukunft, in der noch vieles ungewiss ist. Dann werden wir den totgeglaubten Jesus finden - nicht in Galiläa, sondern hier bei uns, in unserem Leben - und sehen, wie lebendig er ist. – Amen

Frohe Ostern! – Ihr Pfarrer, Bruno Ammann
Bruno Ammann,
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